Adlerschießen
Armbrustschießen beim Tänzelfest
Kind beim traditionellen Adlerschießen auf dem Tänzelfestplatz in Kaufbeuren

Tradition beim Tänzelfest

Armbrustschießen beim Tänzelfest


Das Armbrustschießen, auch als Adlerschießen bekannt, gehört zum Tänzelfest wie die Zünfte und der Festzug.

Beim Tänzelfest wird die Geschichte der Stadt Kaufbeuren und ihrer Bewohner dargestellt. Auch das Armbrustschießen hat seinen Ursprung in dieser Vergangenheit.

Eine besondere Tradition
„Einmal mit der Armbrust schießen – und vielleicht beim Umzug als Schützenkönig vor dem Kaiser stehen.“
Illustration eines Tänzelfest Fahnenschwingers vor der Kaufbeurer Stadtkulisse
Vom alten Schießbrauch zurück zum Tänzelfest


Die Bürger Kaufbeurens hatten früher die Pflicht, einen Angriff auf die Stadt mit der Waffe abzuwehren. Damit sie im Schießen die notwendige Fertigkeit erlangten, mussten sie zu bestimmten Zeiten und Gelegenheiten üben.

Die Bubenschützen, so wurden unverheiratete junge Männer genannt, mussten sich sechs Sonntage vor ihrer Eheschließung auf den Schießstand begeben und am Schießen teilnehmen. Nach altem Brauch wurde der Schützenkönig auf den Vogel ausgeschossen – ein speziell angefertigtes Ziel, das in einer vorgeschriebenen Reihenfolge beschossen wurde.

In den Jahren nach 1945, als das Tänzelfest wiederbelebt wurde, wurde allmählich auch das Adlerschießen wieder eingeführt. Damals beteiligten sich zunächst Erwachsene am Adlerschießen. Für ein geringes Entgelt durften bei einem „Prominentenschießen“ bekannte und einflussreiche Persönlichkeiten teilnehmen – oder solche, die sich dafür hielten. Auch die Stadträte nahmen daran teil.

Durchgeführt wurde das Schießen auf den Adler mit der Armbrust lange Zeit gegenüber dem Tänzelfestplatz, dort, wo sich heute ein Lebensmittelmarkt befindet. Allerdings waren die Kosten höher als die Einnahmen, weshalb diese Art des Adlerschießens wieder eingestellt wurde.

Illustration eines Tänzelfest Fahnenschwingers vor der Kaufbeurer Stadtkulisse
Das Adlerschießen der Tänzelfestjugend


Heute können Kinder, die am Tänzelfest mitwirken, um die Ehre des Armbrustschützenkönigs schießen.

Die Einteilung der Tänzelfestjugend zum Adlerschießen erfolgt durch die Kleiderkammer bei der Ausgabe der Kostüme. Wer seine Kleidung abholt, mindestens 10 Jahre alt ist und mindestens 140 cm Körpergröße misst, kann nach einer Schießkarte fragen. Diese berechtigt zur Teilnahme am Adlerschießen.

Mittlerweile findet das Adlerschießen auf dem Tänzelfestplatz neben dem Tanzplatz, dem Rondell, statt. Der Schützenkönig der Armbrustschützen wird an zwei Tagen ermittelt: am Freitag- und Samstagnachmittag vor den Festzügen.

Voraussetzung zur Teilnahme
Kinder, die am Tänzelfest mitwirken, können ab 10 Jahren und einer Körpergröße von mindestens 140 cm am Adlerschießen teilnehmen. Geschossen wird am Freitag und Samstag auf dem Tänzelfestplatz neben dem Rondell.
Armbrust mit Zieladler beim traditionellen Adlerschießen des Tänzelfestes in Kaufbeuren
Geschossen wird auf den Adler


Die Kinder schießen auf einen hölzernen Adler, der an einer Metallstange befestigt ist. Zum Sieger wird der Schütze gekürt, der das meiste Holz vom Ziel abschießen kann. Die abgeschossenen Stücke werden anschließend gewogen.

Dabei ist die Aufregung unter den Schützen groß. Und auch die zuschauenden Eltern und Großeltern sind oft nicht weniger nervös. Jedes Jahr tauchen dabei ähnliche Fragen auf: „Ist schon mal der ganze Adler heruntergefallen?“, „Wie viel Gramm hat der Erste?“ oder „Wie viel muss ich noch treffen, damit ich Erster werde?“

Als zusätzlicher Ansporn gibt es Sofortgewinne. Dafür werden bunte Aufkleber auf der Rückseite des Adlers angebracht. Kommt ein Schütze mit einem Stück Holz zum Wiegen und befindet sich darauf ein Aufkleber, erhält er seinen Gewinn direkt bar ausbezahlt.

Besonders am zweiten Tag, wenn die Fahrgeschäfte und der Rummel bereits in vollem Gange sind, reizt das natürlich zur sofortigen Ausgabe.

Schützenkönig beim Einzug Kaiser Maximilians zum Tänzelfest in Kaufbeuren
Der Schützenkönig vor dem Kaiser


Der Schützenkönig erhielt früher, zum Zeichen seines Sieges, als Preis einen Ballen Hosenstoff von seiner Majestät, Kaiser Maximilian I.

Immer noch ist es Tradition, dass der Schützenkönig beim Umzug vom Kaiser empfangen wird und seinen Lohn erhält. Im Zeichen der Neuzeit bekommt er den Preis jedoch nicht nur symbolisch durch den Kaiser überreicht, sondern erhält zusätzlich einen Gutschein, um sich die Hose – oder etwas anderes – selbst auszusuchen.

Leider ist das Armbrustschießen neben den vielen anderen Aktivitäten des Tänzelfestes etwas in den Hintergrund gerückt. Vermutlich liegt das auch daran, dass es räumlich etwas abseits stattfindet.

Vielleicht finden sich ja künftig wieder mehr Kinder ein, die Spaß daran haben, einmal mit einer Armbrust zu schießen – und vielleicht beim Umzug als Schützenkönig vor dem Kaiser zu stehen.