Chronik in ausgewählten Momenten
Die Geschichte des Tänzelfestvereins ist keine reine Abfolge von Jahreszahlen. Sie erzählt davon, wie eine Stadt ihr Kinderfest immer wieder bewahrt, verändert und neu belebt hat.
Mit der Gründung eines „Tänzelfestkomitées" im Jahre 1890 erhielt das Kaufbeurer Tänzelfest zum ersten Mal in seiner Geschichte den Rückhalt planvoller Organisation. Historisch bedeutsam wurde das „Komité" allerdings erst durch das Ereignis seiner Selbstaufgabe.
Am 28. Februar 1898 gründeten die Mitglieder den „Verein zur Hebung des Tänzelfestes". Anwesend waren 19 Gründungsmitglieder. Dem gewählten Vorstand gehörten an: Magistratsrat Martin Schmid, Buchbinder Theodor Reinhardt, Bankier Karl Frey, Lehrer Emil Bächler, Hauptlehrer Johannes Boeckh, Kaufmann Fritz Junginger und Färbermeister Adolf Wiedemann.
„Wie so oft im deutschen Vereinsleben dauerte es etliche Jahre, bis sich der Prozeß kollektiver Selbstfindung einstellte."
Erster Versuch einer planvollen Organisation des Festes. Die Grundsteinlegung für das, was wir heute kennen.
Gründungsjahr
Am 28. Februar: Geburt des „Vereins zur Hebung des Tänzelfestes" mit 19 Gründungsmitgliedern, darunter Magistratsrat Martin Schmid, Buchbinder Theodor Reinhardt und Bankier Karl Frey.
Die Frage nach dem Ursprung
Gymnasiallehrer Richard Ledermann schlägt das Festspiel „Die Schwedennot" vor. Die Versammlung lehnt einstimmig ab – das Fest soll in seiner bisherigen Weise erhalten bleiben. Doch Ledermanns These vom Kaiser Maximilian I. (1497) wird zur „ewigen Versuchung".
Vor dem Krieg
Bis zum letzten Fest vor dem Ersten Weltkrieg bleibt der Gedanke vorherrschend, das Tänzelfest in seiner bisherigen Weise zu erhalten.
Nach fünf Jahren Stillstand
Unsicherheit und Ratlosigkeit beherrschten die erste Vereinssitzung nach Kriegsende am 25. Juni 1919. Das Fest ruhte seit fünf Jahren. Es zeigte sich, wie mühsam es ist, einer Tradition neue Energien zuzuführen, wenn ihr eine Periode des Stillstands vorausging.
Über eine Vorgabe waren sich die 27 Kaufbeurer Bürger dieser ersten Sitzung einig: Das Fest musste seinen konfessionellen Charakter verlieren. In der ersten paritätischen Vereinssitzung am 11. November 1920 entstanden zukunftsweisende Gedanken: Das Fest sollte paritätisch sein, einen Teil seines militärischen Charakters verlieren, eine von Bürgern getragene Veranstaltung bleiben und durch neue Formen bereichert werden.
Leitgedanke
Tradition lässt sich nur dann bewahren, wenn ihr die behutsame, aber konsequente Anknüpfung an die Gegenwart gelingt.
Nach fünf Jahren Stillstand nimmt der Verein seine Arbeit wieder auf. Die Frage nach der künftigen Ausrichtung des Festes steht im Mittelpunkt.
Prägende Persönlichkeit
Mit der Wahl von Rudolf Werz zum 1. Vorsitzenden gewinnt der Tänzelfestverein eine außerordentliche Persönlichkeit: energisch, phantasievoll, wirtschaftlich versiert. Er setzt sich für kommerzielle Absicherung, Kindergewandungen und die thematische Neugestaltung des Festzuges ein.
Bis heute bedeutend
Mit dem Vorschlag, ein Festabzeichen einzuführen, entsteht eine bis heute genutzte Einnahmequelle. Das erste Nachkriegsfest bestätigt mit einem Überschuß von 13.000 Mark den Erfolg des neuen Konzeptes.
Erweiterung des Festzuges
Rudolf Werz arbeitet unermüdlich: Landsknechte (1923), Biedermeier-Gruppe, Zünfte (1924), Konradingruppe (1925), Buronia und Schmiedewagen (1926), Neuformierung der Knabenkapelle (1927), „Guldigs Kaufbeuren" (1928).
Erste szenische Form
Mit der Begrüßung Konradins durch die Buronia erhält das Tänzelfest seine erste deklamatorische Bereicherung. Kurat Christian Frank (1867-1942) schreibt den Text.
Schwierige Bedingungen
Nach einem schwierigen Festjahr und unter den Folgen der Weltwirtschaftskrise beschließt der Verein, die sogenannten Konradinspiele zu etablieren – mit ausschließlich kindlichen Darstellern.
Politische Turbulenzen und Neubeginn
In den politischen Turbulenzen der dreißiger Jahre blieb das Tänzelfest für viele Kaufbeurer ein unantastbares Ereignis bürgerlicher Überlieferung. Doch mit dem Entschluss der Stadtverwaltung, das Tänzelhölzle einem Flugplatz und einer Fliegerschule zu opfern, endete die historische Verbindung von Tänzelfest und Tänzelhölzle – Begriffe, die im Kaufbeurer Bürgerbewusstsein untrennbar verwurzelt waren.
Der Zweite Weltkrieg ließ ein planvolles Vorgehen in der Frage eines neuen Festplatzes nicht mehr zu. Die Wiederbelebung des Tänzelfestes nach dem Krieg ist vor allem Bürgermeister Dr. Georg Volkhardt zu verdanken, der 1946 und 1947 mit großem Geschick für den Fortbestand der Tradition wirkte.
Wiederbelebung
Mit dem bescheidenen Tänzelfest 1947 wurde der Überlebenswille einer Tradition sichtbar, obwohl ihr organisatorischer Hintergrund zunächst fehlte.
Seit 1932 teilen sich Rudolf Werz und Josef Hartwig den Vorstandsposten und begleiten den Verein bis zu seiner letzten großen historischen Erschütterung vor dem Krieg.
Ende einer Verbindung
Mit dem Entschluss, das Tänzelhölzle einem Flugplatz und einer Fliegerschule zu opfern, endet die historische Verbindung von Tänzelfest und Tänzelhölzle. Die letzte Vereinssitzung des alten Vereins findet am 22. Juni statt.
Gesprächsforen
Bürgermeister Dr. Georg Volkhardt nutzt Begegnungsveranstaltungen mit der amerikanischen Besatzungsmacht, um die Harmlosigkeit des Kaufbeurer Kinderfestes sichtbar zu machen.
Neugründung
Nach dem bescheidenen Tänzelfest 1947 konstituiert sich am 12. November der neue „Tänzelfestverein". Der frühere „Verein zur Hebung des Tänzelfestes" war mittlerweile erloschen.
Nachkriesjahre und neues Selbstverständnis
Nach dem Zweiten Weltkrieg bedurfte das Tänzelfest in vielerlei Hinsicht eines neuen Selbstverständnisses. Die Kinder vertriebener Neubürger in Kaufbeuren-Hardt mussten eingegliedert und das Provisorium des Festplatzes gelöst werden.
Zunächst ging es darum, dem äußeren Rahmen wieder Glanz zu geben. 1949 gelang dies mit einem Festzelt, der Gruppe der Brauer und Gerber und den vom Bayerischen Verein für Landespflege gekauften Postkutschen. Zugleich blieb der Festplatz im Parkstadion eine unbefriedigende Notlösung, bis schließlich unter Walter Werz eine dauerhaftere Lösung entstand.
Maximilian-Zug
Der prachtvolle Maximilian-Zug, 1959 fertiggestellt, bleibt eine liebevolle poetische Verklärung.
Mit Festzelt, Brauern und Gerbern sowie den gekauften Postkutschen erhält das Tänzelfest wieder einen sichtbar festlichen Rahmen.
Neue Vereinsleitung
Am 11. Dezember übernimmt Walter Werz, der Neffe Rudolf Werz', den Vereinsvorsitz. In seinen 30 Jahren Amtszeit prägt er das Fest dramaturgisch und thematisch entscheidend: unbeirrte Zielstrebigkeit und phantasievolle Tatkraft.
Historische Kritik
Der schwäbische Heimatpfleger Dr. Alfred Weitnauer äußert große Bedenken gegen Ledermanns Quellentreue bei der Maximilians-These. Doch die Umstände lassen eine Umkehr nicht mehr zu – der Aufbau des Maximilian-Zuges wird fortgesetzt.
Fertigstellung
Der prachtvolle Maximilian-Zug ist fertiggestellt. Die Tänzelfest-Stiftung nach Texten von Arthur Maximilian Miller bleibt eine liebevolle poetische Verklärung – nicht historischer Fakt, sondern künstlerische Vision.
„Die Vision von Rudolf Werz, das Bild einer Stadt in ihrem Kinderfest zu spiegeln, hat Walter Werz mit seinen Helfern tatkräftig vollendet."
Bewahren und erweitern
Unter der Vereinsleitung von Walter Werz erfuhr das Kaufbeurer Tänzelfest die bedeutendste Umgestaltung seiner Geschichte. Dazu gehörte auch der Entschluss von 1963, den Festbeginn von der Jakobiwoche zu lösen.
1982 übernahm Max Schiffmann den Vorsitz des Tänzelfestvereins. Auch für ihn war es folgerichtig, eine bewährte Gestaltungsidee zu schützen und ihren repräsentativen Rahmen zu erweitern. Hölzerne Abzeichen, neue Gruppen, bessere Räume und das Lagerleben prägten die folgenden Jahre.
Balance
Für die Zukunft des Tänzelfestes bleibt die behutsame Balance zwischen Tradition und Reform unverzichtbar.
Der Festbeginn wird von der Jakobiwoche gelöst. Damit wird Tradition nicht nur bestätigt, sondern zugleich neu begründet.
Vorsitz
Max Schiffmann übernimmt den Vorsitz und führt die bewährte Gestaltungsidee fort, während der repräsentative Rahmen des Festes weiter ausgebaut wird.
Festabzeichen
Die Einführung der hölzernen Festabzeichen wird zu einer bedeutsamen Veränderung in der jüngeren Vereinsgeschichte.
Neue Kindergruppen
Mit dem Schwedenlager und dem Häfelesmarkt wächst das Tänzelfest weiter. In den folgenden Jahren kommen weitere Handwerkergruppen hinzu.
Räume für Verantwortung
Der Umzug der Geschäftsstelle in das Spitalgebäude schafft erstmals ideale Bedingungen für die Unterbringung der 1.400 wertvollen Kindergewandungen.
Außergewöhnliches Ereignis
Mit dem Entschluss, dem Tänzelfest ein Lagerleben anzugliedern, entsteht ein neues und prägendes Element des Festes.
Raumprobleme gelöst
Mit dem Bau eines Geräte-Stadels wird die schonende Unterbringung der Festwagen gesichert.
Schicksalsjahr
Max Schiffmann und der 2. Vorsitzende Winfried Schwangart sterben im Abstand von wenigen Monaten. Manfred Eckardt führt die Arbeit zunächst kommissarisch fort, übernimmt 2003 offiziell den Vereinsvorsitz.
Zurück zu den Kindern
Die Eröffnungsfeier im Jordanpark am neuen „Wunderkreis" knüpft an die Jahre vor 1937 an und führt die Erwachsenen wieder zu den Kindern.
Geschichte, die weitergeht
Die Geschichte des Tänzelfestvereins ist damit nicht abgeschlossen. Sie wird jedes Jahr weitergeschrieben – von Kindern, Familien, Helferinnen und Helfern, Gruppen, Musik, Handwerk und vielen Menschen, die das Tänzelfest tragen.